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Trifft man auf den Streifzügen durch das wilde Waldlgebirge auf besonders bizarre
Felsformationen, auf beinahe unzugängliche Schluchten oder irgendwie unheimliche
Stätten, kann man fast sicher sein, daß sich darum Sagen ranken.
In der Abgeschiedenheit des bis weit ins 19. Jahrhundert hinein noch unerschlossenen
Waldgebirges wob die bildhafte Vorstellungskraft der Bewohner viele solcher Erzählungen.
In rauen Winternächten, wenn der Böhmwind die Bäume zum Ächzen bringt, das Eis
auf den Bächen kracht und wilde Schneeschauer ein Rieseln und Raunen verursachen,
kann man auch heute noch, geborgen in sicheren Behausungen, das Grauen der Ahnen
nachempfinden. |
Vom „Weiherzen“ und „Umgehen“ der armen Seelen, die keine Ruhe finden, wird
berichtet, von frevelhaften Menschen, die abgestraft wurden, von Gnomen und Schrazen
und vom Teufel, der sich im wilden Waldgebirge so manchen Unterschlupf geschaffen
hatte.
Vielfältig und geheimnisvoll ist die Sagenwelt der Waldgebirgler. In den Spinnstuben
und auf der „Rockaroas“, wo man gemeinsam mit Freundinnen und Nachbarinnen an
langen Winterabenden beim Spinnen, Stricken und Flicken zusammensaß, wurden die
Erzählungen weiter gegeben. Der Großvater erzählte sie auf der Hausbank seinem
Enkel und der gab sie nach einem halben Jahrhundert an die eigenen Enkel weiter.
Ganze Bücher füllen die Sagen und Erzählungen aus alter Zeit. Nur eine kleine
Auswahl „zum Reinschmecken“, wie der Waldler sagt, können wir Ihnen hier vorstellen. |