Bayerischer Wald - Bayerisches Wörterbuch
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Gstanzl

Das Gstanzl ist ein bayerisch-österreicherischer Spottgesang (vorwiegend im Drei-Viertel-Takt), der wie die verwandten Schnaderhüpfel oder Trutzgsangl zu den Vierzeilern gehört.

Meist handelt es sich um gereimte und gesungene Improvisationen, die von heiteren und ernsten Vorgängen, Gemütsstimmungen, Lebensanschauungen und Schwächen des Menschen handeln. Ein echtes Gstanzl besteht aus einem einzigen Vierzeiler, wobei sich die erste auf die zweite oder auf die dritte Zeile reimen kann.

Es wird auch vielfach aus dem Stegreif in der jeweiligen Mundart gedichtet und vorgetragen. In Bayern und Österreich gibt es auch so genannte Gstanzlsängertreffen, bei denen sich die Sänger gegenseitig aussingen. Gute Gstanzlsinger können stundenlang ohne sich zu wiederholen Gstanzln vortragen.

Gstanzl mit ihren unzähligen Melodien leben vor allem vom Vortrag in der entsprechenden Situation. Es gibt viele Gelegenheiten bei denen Gstanzl entstehen. Sehr beliebt ist das Gstanzlsingen auf Bauernhochzeiten in Ober- u. Niederbayern, wobei sich der Hochzeitslader über die Brautleute und die geladene Gesellschaft lustig macht. Das Gstanzl kann derb und hart, aber auch zart und innig sein.

Gstanzln werden oft von Generation zu Generation mündlich weitergegeben und erleben je nach Region und Zeitraum verschiedenste Varianten. Sie werden aber auch heute von Burschen neu "erfunden", um aktuelle und auch politische Begebenheiten scherzhaft zu beschreiben.

Gstanzln werden sowohl im Wirtshaus oder bei Sängertreffen, als auch beim Tanz gesungen. Die Tänze sind typischerweise Landler, Steirische oder Boarische, die durch das Zusammenstehen der Burschen im Kreis, und dem gemeinsamen Singen eines Gstanzls, oft durch nachfolgendes rhtyhmisches Klatschen, dem sogenannten Paschen unterbrochen werden. Der Vorsinger, zumeist ein erfahrener Tänzer, singt die erste Zeile des Gstanzls an und die anderen Burchen fallen ein.

Das Gstanzl ist im alpenländischen Musikraum sehr bekannt und beliebt. Einer der berühmtesten Gstanzlsänger war der Roider Jackl, der vor allem durch seine politischen Gstanzl überregional bekannt wurde. Auf dem Münchner Viktualienmarkt gibt es dem Volkssänger zu Ehren einen Brunnen.

Das Wort dürfte von italienisch stanza = Strophe abstammen. Je nach Herkunft werden die Gstanzln auch Schnadderhüpfl, Schanderhagge, Stückl, Possen-, Trutz- und Spitzliedln, Schleifer, Haarbrecher-Gsangln, Plopper- und Plepper(lieder), Schwatzliedln, Flausen und Schmetterliedln, G'setzln, Basseln, Vierzeilige, Kurschza Liadlan, Schelmeliedle, chorze Liedle, Rappedietzle, Schlumperliedla oder Rundâs, usw. genannt.

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