Bayerischer Wald - Wackelstein
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Himmelsleiter

Wer sich für eine Besteigung des Lusen (1373 m) im Nationalpark Bayerischer Wald interessiert, hat ab Waldhäuser bzw. dem Lusenparkplatz zwei Aufstiegsmöglichkeiten: Den bequemen Winterweg, der beinahe ganzjährig in etwa einer Stunde zum Gipfel führt oder den Sommerweg. Sein letztes Stück bildet die "Himmelsleiter". Wie diese Naturtreppe mit 300 grob aufgeschlichteten, steil berganführenden Stufen entstand, wissen die Waldler ganz genau:
Damals war der Ameishof, die heutige Jugendherberge in Waldhäuser, noch ein Gehöft. Einer der Knechte, Wunibald Muckenschnabl, an sich ein kreuzbraver, fleißiger Arbeiter, sprach nach des Tages Mühen gerne dem Alkohol zu. Unter seinem Einfluß wurde er gelegentlich hitzig und jähzornig. Es kam, wie es kommen mußte: Er geriet mit einem weiteren Wirtshausgast in Streit. In dessen Verlauf hieb der Wunibald seinem Widersacher einen steinernen Bierkrug so heftig auf den Schädel, daß der Getroffene seinen Verletzungen erlag.
Auch nach einer vieljährigen, abgesessenen Zuchthausstrafe plagten den Wunibald noch immer heftige Gewissensbisse. Der Tote erschien ihm oft im Traum. Um seinen Seelenfrieden wieder zu finden, erlegte er sich eine harte Bußübung auf: Auf der Westseite des Lusen, auf die sein Blick täglich fiel, wollte er eine Treppe bis zum Gipfel schaffen. Seine freie Zeit gehörte fortan nicht mehr dem Wirtshaus, sondern der schweren Arbeit im Hochwald am Lusen. Er wälzte Granitblöcke heran, bearbeitete sie mit Hammer und Meißel und fügte sie Stufe für Stufe übereinander. Jahrelang dauerte die Schinderei, bis er schließlich mit dem Seufzer "Gott sei Dank" die letzte Stufe setzte.
Damit war aber auch sein Leben zu Ende. Wohl ausgesöhnt mit seinem Herrgott starb der reuige Knecht am Ende seiner Treppe.
Kameraden, die das Treiben des Wunibald Muckenschnabl immer wieder beäugten, sagten bald, er habe sich die Treppe oder Leiter in den Himmel gebaut. Daraus entstand die Bezeichnung "Himmelsleiter". Noch heute gilt sie vielen Waldlern als "Sühnetreppe", die man betend hinaufkeucht, damit begangene Schuld vom Himmel vergeben werde.
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