Bayerischer Wald - Sonnenaufgang
.:: © creaholix GmbH ::.   
Startseite      das Waldgebirge     Wandertouren     Sagen & Märchen      
  Besonderheiten     Urlaub im Bayerischen Wald     Impressum

Der Schneider und die Hexensalbe

Ein Störschneider aus Lam beobachtete auf einem seiner Störplätze, wo er für eine Weile gegen Unterkunft, Kost und geringen Lohn sein Handwerk ausübte, wie die Bäuerin sich abends ihre Füße mit einer Salbe einrieb und dabei ein Sprüchlein murmelte. Dann hob sie beide Hände, sprach „Oben aus und nirgends an“ und flog durch das offene Fenster auf und davon wie ein Vogel.

Der Schneider dachte bei sich: Probieren geht über studieren! Auch er rieb seine Füße mit der Salbe, die noch am Fensterbrett stand, ein und murmelte „Oben aus und überall an“, denn so richtig hatte er das Gemurmel nicht verstanden. Sogleich flog auch er zum Fenster hinaus. Da warteten schon ein gutes Dutzend Frauen auf ihn. Die nahmen ihn in die Mitte und flogen mit ihm davon. Während die Hexen die Luftreise aber ohne Schaden überstanden, ging es dem Schneider schlecht. Überall stieß er an, mal an Hausgiebel, mal an Bäume usw.

Schließlich erreichte die Gesellschaft ihr Ziel, einen bekannten Weinkeller. Da ging es nun lustig zu, Musikanten spielten, es wurde getrunken und getanzt und gelacht. Der Schneider fühlte sich aber zu zerschlagen, um dabei mit zu machen. Als der Morgen graute, verschwand die ganze Gesellschaft. Der Schneider aber wußte kein Sprücherl für seinen Rückflug.

So fand ihn schließlich der Kellermeister. Der Schneider wurde des schon lange festgestellten Weindiebstahls bezichtigt, man brachte ihn ins Gefängnis und verurteilte ihn wenig später zum Tod durch den Strang. Allzu große Neugierde ist halt nicht gut und führt ins Verderben!

zurück