Bayerischer Wald - Sonnenaufgang
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Das „Hausinger Lichtlein“

Um die Mitte des 19. Jh. wußte jedermann im Grafenauer Land vom „Hausinger Lichtl“, das oft auf dem Haselberg zwischen der Hofmark Haus im Wald und der Kreisstadt Grafenau auftauchte.

Eines Tages hatte ein Hausinger Bauer eine Handelschaft in der Kreisstadt und feierte das gute Geschäft, das er dabei gemacht hatte, noch in einer Gastwirtschaft. So kam es, daß es bereits tiefe Nacht war, als der Zecher in Grafenau aufbrach. Damals gab es nur einen schmalen Steig über den Haselberg nach Haus im Wald, Straßen oder gar öffentliche Verkehrsmittel kannte man im Waldland noch nicht.

Unser Bauer machte sich also auf den Heimweg und tappte über wer weiß wie viele tausend Steine und Wurzeln durch den finsteren Wald bergan. Endlich erreichte er die hölzerne Kapelle auf der Höhe des Berges. Ein wenig verweilte er, verschnaufte, bekreuzigte sich und stieß einen tiefen Seufzer aus: „Unser liebe Frau, wenn ich nur schon wieder unten wär´!“

Er war noch nicht weit gekommen, als aus dem Tal die dumpfen Schläge der Hausinger Kirchenuhr die zwölfte Stunde kündeten. Da tauchte plötzlich aus der Finsternis ein helles Licht auf. Wie eine leuchtende Kugel sah es aus und helle Strahlen erleuchteten den Hohlweg. Der Bauer erschrak zwar, aber er folgte festen Schrittes dem Licht, zumal das immer im gleichen Abstand vor ihm her schwebte. Im Stillen dachte er bei sich, daß ihm wohl die Muttergottes das Lichtlein geschickt habe. Zudem hatte er vom Hausinger Lichtlein schon oft gehört. Trotzdem verkrampften sich seine Hände schweißnaß im Hosensack. Daß er das erleben würde, hätte er sich niemals träumen lassen!

Als ihn nur noch eine Wiese von seinem Hof trennte, schwenkte das Licht ein wenig zur Seite und blieb stehen. „Ja, no,“ sagte der Bauer und hielt ebenfalls inne, „dann sag ich halt ein herzlich´s Vergelt´s Gott, für die armen Seelen, weil du mir so schön geleuchtet hast!“

Kaum hatte er das letzte Wort gesagt, begann auch das Licht zu sprechen: „Jetzt ist das letzte Tausend voll, jetzt hast du mich mit deinem Vergelt´s Gott endlich erlöst!“ Im gleichen Augenblick war das Licht verschwunden und wurde nie mehr gesehen. Am Sonntag darauf ging der Bauer zu seinem Pfarrherrn und stiftete eine Seelenmesse. „Man kann sagen, was man will,“ meinte er zum Herrn Hochwürden, „ich bin sicher, daß dieses Licht eine arme Seel´ war, die nun ihre ewige Ruh´ gefunden hat! Und ich hab´ das am Haselberg erlebt, grad so, wie ich es euch erzählt hab´!“ Und dabei blieb er sein Leben lang.

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