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Wassersucher und Brunngraber

Der "Adernsucher", wie er im Waldgebirge meist genannt wird, war immer ein hochgeachteter Mann. Denn wenn irgendwo ein Hof entstehen sollte, mußte Wasser in der Nähe sein. Eine zentrale Wasserversorgung wie heute war damals völlig unbekannt. Jeder Hof brauchte seinen "Brunn", und den galt es zu finden und zu bauen.

Handwerkszeug des Wassersuchers war ein dünner Ast von einer Haselnußstaude oder einem jungen Obstbaum. Er sollte etwa 40 bis 60 cm lang sein und eine Gabelung haben. Das gemeinsame Ende der beiden Gabelzweige mußte nicht mehr lang sein, etwa 10 cm genügten.

Die Gabelenden fest in den Fäusten, ging der Wassersucher mit waagrecht nach vorn gehaltener Rute den Grund ab. Schlug die Rute mit dem freien Ende zu Boden, deutete sie damit eine Wasserader an. Erfahrene Adernsucher erkannten an der Art des Ausschlags auch die ungefähre Tiefe, in der die Ader lag. Dann begann das Brunnengraben.

Dazu wurde eine kreisrunde Grube mit einem Durchmesser von etwa zwei Metern ausgehoben. Je nachdem, wie tief gegraben werden mußte, war das sehr mühselig, denn man mußte sowohl die Wände der Grube abstützen, damit kein Erdreich nachrutschen konnte, als auch mühsam die Erde nach oben befördern. Das geschah meist mit Hilfe einer Seilwinde. Der felsige Grund des Waldgebirges schuf zusätzliche Mühe. Das Gestein mußte erst kleingeschlagen werden, damit es in den Eimer paßte, den man nach oben zog. Mehrere Menschen halfen dem Brunnenbauer. Er selbst füllte die Eimer, die Helfer zogen sie nach oben und stützten die Grube ab.

Der Brunnenbauer mußte zusehen, daß er die Grube stets rund und genau senkrecht aushob. Trat nach gut 12 Metern Tiefe noch keine Feuchtigkeit auf, wurde das Brunnengraben als erfolglos abgebrochen und die Grube wieder zugeschüttet. Stieß er aber endlich auf Feuchtigkeit, begann die richtige "Drecksarbeit". Um einen ergiebigen Brunnen zu bauen, mußte noch mindestens 50 cm tiefer gegraben werden. Wasser und Erde vermischten sich dabei zu zähem, schwerem Schlamm.

Zum Mauern des Brunnens wurden überwiegend Feldsteine verwendet. Fein säuberlich wurden sie mit Erde und Lehm ausgefugt. Ein tiefer Brunnen erforderte eine gehörige Menge an Steinen und die Arbeit dauerte entsprechend lange. Jeder Brunnenbauer war froh, wenn das Werk mit dem "Überleger", meist granitenen Steinsäulen, abgeschlossen werden konnte. Das Brunnenbauen war eine gefährliche Arbeit, gar mancher ist dabei umgekommen. Es gab zahlreiche Unfälle durch Verschütten, beim Transport des Aushebungsmaterials, wenn z.B. das Seil riß und der beladene Eimer in die Tiefe stürzte, usw.

Heute werden Brunnenbauer nicht mehr gebraucht, denn die zentrale Wasserversorgung ist überall die Regel. Adernsucher aber gibt es immer noch. Viele Bauherren lassen ihr Grundstück nach Wasseradern absuchen, ehe sie ein Gebäude planen. Der Glaube, eine Wasserader beeinflusse die Lebensqualität, ist weit verbreitet.

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