Bayerischer Wald - Blasmusik
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Wasservogelsingen an Pfingsten

Ein wenig bekannter, aber im ganzen Waldland verbreiteter Pfingstbrauch ist das Wasservogelsingen.
Er trägt örtlich unterschiedliche Bezeichnungen und er wird auch nicht einheitlich durchgeführt. Je nach Gegend und Ort stellt er sich immer ein wenig anders dar. Einer der Hauptschwerpunkte des bäuerlichen Brauchtums ist das Grafenauer Land. Der Heimat- und Volkstrachtenverein Schönberg hat vor Jahren viele der von den Ahnen überkommenen Verse gesammelt und aufgezeichnet.
Bei Einbruch der Dämmerung am Abend des Pfingstsonntags ziehen Gruppen junger Leute von Haus zu Haus, von Hof zu Hof. Sie sind leicht zu erkennen, denn sie sind alle möglichst wasserfest gekleidet. Breitkrempige Hüte, Regenmäntel, Gummistiefel - und einer trägt einen großen, mit Heu ausgepolsterten Korb. Die Gesänge der Wasservögel hört man schon von weit her, denn vor jedem Haus, das sie aufsuchen, werden dessen Bewohner "ausgesungen". Aber auch die sind nicht untätig. Aus Eimern und Wasserschlauch klatscht das nasse Element aus Fenstern und von Balkonen auf die Sänger herunter. Dabei ist es mit geringen Mengen nicht getan, Wasser, das lebensspendende Naß, muß gehörig fließen. Sonst kann es passieren, daß gleich ein Spottverslein erklingt, mit dem auf die "Wassernot" in diesem Haus hingewiesen wird.
Freilich versuchen auch die Sänger im Schutze der Dunkelheit möglichst wenig kalte Duschen abzubekommen. Und wer mit dem Wasserschlauch hinter dem Hauseck lauert, wird schon einmal in ein fröhliches Handgemenge verwickelt, bei dessen Ende er selber eben so naß ist wie die Wasservögel.
Als Dank für ihren Besuch und die Segenswünsche erhalten die Wasservögel von der Hausfrau Eier, vom Hausherrn Geld und auch schon mal etwas "Hochprozentiges". Dann ziehen sie ab, vor dem nächsten Anwesen geht die nasse Sache weiter ...
Mit dem christlichen Pfingstfest hat dieser uralte Brauch nichts zu tun. Seine Ursprünge liegen in der Darstellung des Kampfgeschehens zwischen Sommer und Winter.
Bis ins 18. Jh. hinein zogen die Wasservögel aus dem Grafenauer Land die gesamte Länge der Grenze zum "Abteiland", also zum Bistum Passau, entlang. Dabei waren sie mehr als eine Woche unterwegs. Kamen sie zurück, durfte sich einer der Wasservögel eine "Pfingstbraut" wählen. Mit dem jungen Paar feierte dann der ganze Ort eine zünftige "Pfingsthochzeit".
Heute endet der nächtliche Umzug der Wasservögel in einem Lokal, in dem trockene Kleidung für die durchnäßten Sänger bereit liegt. Dann bereitet die Wirtin ihnen aus den angeknacksten Eiern im Korb einen leckeren Schmaus. Sie kauft ihnen möglicherweise auch die anderen ab. Die so erzielten "Einnahmen" werden für einen sozialen Zweck verwendet.
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