Bayerischer Wald - Blasmusik
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Pfingsten - Die Kerzenwallfahrt von Bogen

Über das kleine Dorf Holzkirchen, zwischen Passau und Vilshofen, war 1492 große Not hereingebrochen. Der Borkenkäfer vernichtete auf großen Flächen den Holzbestand, von dem die Bevölkerung lebte. Die Dorfbewohner suchten Hilfe bei der Gottesmutter auf dem Bogenberg. Sie wanderten gut 75 Kilometer zum damals schon jahrhunderte alten Marienheiligtum und gelobten, jedes Jahr dorthin zu wallfahren, wenn die Käferplage ende und sie ihre Lebensgrundlage nicht ganz verlieren. Maria hat geholfen.

Seit dieser Zeit ziehen die Holzkirchener Jahr für Jahr nach Bogen und bringen ein Wachsopfer mit: Eine 13 Meter hohe Kerze. Sie wiegt gut 50 Kilogramm. Tragen die Männer die "lange Stang" auch während des zweitägigen Anmarsches meist auf den Schultern, ist das doch eine beachtliche Leistung. Die Orte, durch die die Wallfahrer ziehen, wissen längst, wann die Holzkirchener kommen. Sie begrüßen sie mit Glockengeläut.

Bei Vilshofen setzen die Wanderer über die Donau. Gegen Abend treffen sie in Deggendorf ein. Die Kerze kommt über Nacht in die Grabkirche, die "Kreuzleut´", wie man die Wallfahrer achtungsvoll nennt, finden in Privatquartieren ein paar Stunden Ruhe.

Sehr früh am nächsten Morgen geht es dann donauaufwärts weiter. Gegen Mittag grüßt der Turm der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg bereits die Pilger. Nach etwa zwölfstündigem Marsch erreichen sie Bogen. Der ganze Ort wartet schon. Die Bewohner und ungezählte Gäste sind da, wenn die "Lange Stang" auf dem Stadtplatz Einzug hält. Bei warmem Wetter muß sie für die letzte Etappe nochmals mit kaltem Wasser übergossen und abgekühlt werden. Dann helfen einige kräftige Männer, sie aufzurichten.

Hoch über die Häuser und Bäume schaut sie hinaus. In einem einmaligen Kraftakt wird sie nun stehend!!! den steilen Bogenberg hinaufgetragen. Getreu dem Ahnenerbe darf auf dem steilen Wallfahrtsweg zur Kirche immer nur einer Träger der schwankenden, zentnerschweren "Stang" sein. Da müssen die Holzkirchener nochmals fest zupacken. Einer nimmt die "Stang" etwa 50 cm über dem Boden auf, stützt sie mit ausgetrecktem Arm so weit als möglich oben ab und rennt los. Ein paar Meter, dann greifen helfende Hände ein, die schwere Last muß wieder abgesetzt werden. Der nächste packt an ... Geistlichkeit, Fahnenträger, Mädchen mit einer schweren Marienstatue, Musik und viele, viele Teilnehmer folgen nun den Holzkirchenern in einer schier nicht enden wollenden Prozession auf den Berg. Gebannt richten sich aller Blicke auf die hohe, schwankende Kerze. Unter Glockengeläut erreicht sie den Friedhof, wird umgelegt und feierlich ins Kircheninnere getragen. Dort findet sie dann für zwei Jahre einen Ehrenplatz neben dem Altar. Auf der anderen Altarseite steht die Kerze vom Vorjahr, die von vor zwei Jahren wird vor Pfingsten in Stücke geteilt und als Andenken an die Pfingstwallfahrt an Pilger abgegeben.

Die Kunde sagt, daß, wenn die Kerze auf dem Weg zur Wallfahrtskirche umfällt, Krieg ins Land ziehen wird. Im letzten Jahrhundert ist das zweimal passiert, in den Jahren 1918 und 1939.
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