Bayerischer Wald - Blasmusik
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Palmsonntag

Heute gibt es ihn nicht mehr, den Brauch, den Palmesel in der feierlichen Palmsonntag-Prozession
mitzuführen. Früher war er wesentlicher Bestandteil der Feierlichkeiten. So läßt
eine erhalten gebliebene Rechnung eines Zwieseler Wagners und Schmiedes aus dem
Jahre 1653 auf eine Beschädigung des Palmesels schließen, auf dem "Unser Herr
am Palmbtag sambt einem Roth Thiechenen Mäntel" durch die Straßen der kleinen
Bayerwaldstadt zog. Die schriftlichen Quellen über solche Prozessionen verlieren
sich mehr und mehr ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Heute sind es nur
noch ganz wenige Orte, in denen ein Palmesel mitgeführt wird. Auch die riesigen
Palmgerten von einst sind arg geschrumpft. Vor einigen Jahrzehnten mußte der Geistliche
Herr noch so manches Jahr die Buben mit ihren Palmgerten ermahnen: "Striegelt's
mir fei ja net unsere Heiligen vom Postamentl!" Da wetteiferte die männliche Jugend
noch darin, wer den längsten Palmbuschen zur Prozession und anschließend in die
Kirche brachte. Heute, wo der Weg zur Kirche mit dem Auto zurückgelegt wird, sind
es handliche Buschen von blühenden Weidenzweigen, die mit bunten Bändern, der
"Bandltracht" geschmückt, mit Wintergrün und den Zweigen vom "Segenbaum" umwickelt
bei der Prozession mitgetragen werden und die kirchliche Weihe erhalten. Oftmals
unterscheiden sich die „Zutaten“ zur "Palmgerte" von Ort zu Ort. In manchen Gemeinden
gehören z.B. ein halber Apfel pro Familienmitglied, auf einen dünnen Stock gesteckt
und in die Mitte des Straußes gebunden, dazu. Die Palmkätzchen symbolisieren in
unseren Breiten die Palmzweige Jerusalems, mit denen das Volk Jesus zujubelte,
die Äpfel versinnbildlichen die Paradiesäpfel. Der hölzerne Stamm wird als segenbringendes
Objekt an den Rand eines frisch bearbeiteten Ackers gesteckt, Teile des Straußes
finden ihren Platz über dem Hauseingang, im Herrgottswinkel, an der Stalltür,
überall dort, wo man eben den Segen für ein Gebäude und seine Bewohner vom Herrgott
erbittet. Manche verfüttern Reste des Palmbuschens an das Vieh, damit es vor Krankheit
bewahrt bleiben möge. Ein Palmzweig wird nach altem Brauch verwahrt, um am Aschermittwoch
des folgenden Jahres zu Asche zu werden, die den Gläubigen zur Ermahnung an die
Vergänglichkeit aufgelegt wird.
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