Bayerischer Wald - Blasmusik
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Kammertwagen fahren

Das Kammertwagen fahren war im Bayerischen Wald bis gegen Ende der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts gebräuchlich. Sein Herrichten zählte zu den wichtigsten Hochzeitsvorbereitungen.
Allerlei Hausrat, Möbel, Bett-, Tisch- und Leibwäsche, Leinen, das Brautbett, die Kinderwiege, das Krippenkastl, Geschirr und Stickereien für die gute Stube mußte augenfällig hergerichtet werden. Girlanden und Blumen schmückten den Kammertwagen und die Tiere, die ihn zogen.
Durch gekonntes "Einrichten" sah so ein Kammertwagen oft sehr viel üppiger aus, als er tatsächlich war. In enge Falten gelegtes Leinen wurde z.B. mit Papier hinterfüllt und suggerierte den Gaffern einen großen Stoffvorrat.
Meist fuhr der Kammertwagen am Vorabend der Hochzeit vom Elternhaus der Braut zu ihrem neuen Wohnsitz und Wirkungskreis. Die Fahrt wurde von Nachbarn, Freunden und Bekannten neugierig beäugt.
Die Braut verabschiedete sich von Eltern und Geschwistern, erhielt den Segen der Eltern und Großeltern, ehe sie im Kreise ihrer noch unverheirateten Freundinnen hinter dem Kammertwagen herging. Am Hof- oder Ortsausgang hatten sich inzwischen junge Burschen versammelt, die dem Gefährt mit Seilen und Bändern den Weg versperrten. Die Braut mußte die Jungen mit einem kleinen Obolus entlohnen, dann gaben sie dem Kammertwagen den Weg frei.
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